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Veranstaltung „Ein sicherer Ort? Atommüll-Lager-Suche in Taaken“

Nicht nur mögliches Fracking erschüttert unsere Region, nun ist auch bekannt geworden, dass der riesige Salzstock, der von Breddorf bis Ostervesede reicht, als möglicher Standort für das Atommüll-Endlager infrage kommen könnte. Neben etlichen anderen Standorten, die man auf einer Landkarte bei .ausgestrahlt ansehen kann – überwiegend in Norddeutschland. Wen wundert’s, wurde doch hier schon sehr viel erkundet wegen der Erdgas- und Erdölvorkommen in der Region.

Aus diesem Grund veranstalteten wir vom BüEnBü – in dem Fall vor allem Jochen Gieschen – zusammen mit den Bürgermeistern von Bülstedt, Horstedt, Taaken/Reeßum und Narthauen eine Infoveranstaltung zum Thema mit .ausgestrahlt.de. Eingeladen war dazu als Referentin Angela Wolff von .ausgestrahlt.de aus Hamburg.

Diese Veranstaltung fand am vergangenen Donnerstag im Mehrzweckgebäude (MZG) Reeßum statt. Es waren ca. 200 Interessierte gekommen…

Angela Wolf referierte in einem spannenden Vortrag sehr anschaulich und verständlich das Gesetz und das bisherige Geschehen und stellte immer wieder heraus, dass die Transparenz, die sich die MacherInnen des Atommüllendlagersuchgesetzes ja auf ihre Fahnen geschrieben hatten, bisher garnicht gewährleistet ist.

Das fängt bei der Beteiligung der BürgerInnen vor Ort bei Entscheidungsprozessen an – viele im Saal wunderten sich, dass das Gesetz bereits seit zwei Jahren in Kraft ist und erste Entscheidungen bereits hinter verschlossenen Türen stattfanden. Davon hatten die meisten im Saal bisher nichts mitbekommen!

Zum zweiten werden die bereits vorliegenden Geodaten nicht veröffentlicht, da  sie überwiegend ‚Eigentum‘ von Energiekonzernen sind, die dort Probebohrungen/Bohrlöcher betrieben haben, bzw. betreiben. Alle weiteren Geodaten von anderen infrage kommenden Gegenden sind digital noch garnicht erfasst, weil sie noch ‚analog‘ in irgendwelchen Behördenkellern in Aktenordnern auf ihre Digitalisierung warten. Man schätzt, dass dies ca. 60-70% aller Geodaten sind. Aufgrund des enormen Zeitdrucks der Regierung ist dies auch im Vorfeld einer Entscheidung garnicht mehr möglich.

2020 soll es einen Zwischenbericht der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) geben mit anschließenden Regionalkonferenzen, an denen ausgewählte BürgerInnen, Vereine und PolitikerInnen teilnehmen dürfen. Diese Regionalkonferenzen haben insgesamt nur 6 Monate Zeit, dürfen nur 3x tagen und ob ihre Meinung/ihr Konsens am Ende in die Entscheidung mit einfließt entscheidet ausschließlich der Bundestag per Gesetz.

Und das ist die nächste Farce, denn durch die ‚Legalplanung‚ (Bundestag entscheidet und macht daraus Gesetz) kann kein/e BürgerIn gegen die Entscheidungen klagen – nur gegen Verfahrensfehler, nicht aber gegen Inhalte.

2031 soll der Standort dann bereits entschieden sein. Dabei steht auch noch nicht mal fest in welcher Art ‚Behälter‘ die ca. 17.000 Tonnen hochradioaktiver Atommüll für geschätzte eine Million Jahre gelagert werden kann.

Alles in allem ein gruseliges Szenario! Noch gruseliger wäre allerdings die Vorstellung, Deutschland schiebt das Zeug ab in ein armes Drittland – abgesehen davon, dass dort dann vollkommen Unbeteiligte mit unseren gefährlichen Altlasten (die wir hier nicht haben wollten!) leben müssen, wer garantiert darüberhinaus, dass das Material dort wirklich sicher gelagert werden kann??? Dieses Material weckt natürlich in bestimmten Kreisen große Begehrlichkeiten…

Fakt ist also, es muss irgendwo in Deutschland unter höchsten Sicherheitsbestimmungen eingelagert werden und das gelingt nur, wenn die BürgerInnen von Anfang an oder wenigstens ab jetzt wirklich mit einbezogen werden in die Entscheidungsfindung. Nur so lässt sich überhaupt ein Standort finden, der von den BürgerInnen vor Ort mitgetragen werden kann!

Momentan sieht es aber eher danach aus, dass diese Entscheidung im stillen Kämmerlein von BfE und BGE entschieden werden soll – da ist Widerstand vorprogrammiert und absolut berechtigt! Wir werden auch dranbleiben an diesem schwierigen Thema!!!

Hier kann man sich eine sehr informative Broschüre von .ausgestrahlt zum Thema runterladen.

Zwei kleine, ganz persönliche Anmerkungen der Schreiberin zu dem ansonsten sehr gelungenen Abend…

Ich vermisste ein wenig das Interesse vieler Anwesenden am grundsätzlichen Widerstand gegen die Atomkraft.

An jedem weiteren Tag, an dem die verbliebenen AKWs noch laufen wird weiterer Müll produziert. Dazu das tägliche  Risiko eines SuperGAUs, das aufgrund der äußerst maroden Beschaffenheit der letzten AKWs immer größer wird.

Die AKWs laufen nur deshalb noch weiter, weil sie ihren BetreiberInnen (EnBW, E.ON, RWE und Vattenfall) jeden weiteren Tag viel, viel Geld einbringen. Der von ihnen produzierte Strom wird nicht nur garnicht mehr benötigt, die Netze werden durch den Atomstrom auch für den dezentralen Ausbau der Erneuerbaren blockiert.

Und unser Staat (also wir alle!) muss seit dem 01.01.2019 alleine sämtliche Folgekosten der Entsorgung tragen. Die Energiekonzerne haben sich mit einer lächerlichen Summe von 24 Milliarden Euro, von der unter Fachleuten unstrittig ist dass sie niemals reichen wird, endgültig rausgekauft.

Zum zweiten finde ich die Vernetzung bereits aktiver BIs und Gruppierungen sowie ein gemeinsames Handeln aller Betroffenen sehr wichtig! Wir vom BüEnBü sehen darin den Schlüssel zum Erfolg – sowohl was das Fracking betrifft als auch den Widerstand gegen die Atomkraft! Hier wünsche ich mir von allen Beteiligten, dass wir noch stärker gemeinsam an einem Strang ziehen um für uns alle (auf der ganzen Welt!) das Bestmögliche und nicht nur die ‚Abwägung zwischen Pest und Cholera‘ zu erreichen!

Noch ein paar Fotos von dem spannenden Infoabend gibt es hier…

Eröffnung durch Bürgermeister Marco Körner von Reeßum/Taaken
Referentin Angela Wolff von .ausgestrahlt
Referentin Angela Wolff von .ausgestrahlt
Umfangreiches Infomaterial von .ausgestrahlt